Pflege

[Alten- und Pflegeeinrichtungen (Voll- / Teilstationär) sind Einrichtungen gem. § 71 Abs. 2 SGB XI, die auf der Grundlage eines Versorgungsvertrages gem. § 72 Abs. 2 und 3 SGB XI mit den Landesverbänden der Pflegekassen voll- / teilstationäre Pflegeleistungen erbringen.]


 

Oliver Große-Allermann, Senior Consultant Ostermann Pott & Cie. zu aktuellen Themen des Zielmarktes Pflege:


"Die meisten Experten sind sich darüber einig, dass die Pflegeversicherung in vier bis fünf Jahren defizitär ist. Bei dieser Betrachtung sind Kosten für zwingend gebotene Leistungsanpassungen wie die adäquate Betreuung und Pflege von Demenzpatienten nicht berücksichtigt. Hinzu kommt, dass die Pflegeversicherung aufgrund der hohen privaten Zuzahlungen, die zu einem nicht unerheblichen Teil über den Umweg der Sozialhilfe von den Kommunen zu leisten sind, immer eine „Teilkaskoversicherung“ war. Weder die Pflegekassen noch die Kommunen sind in der Lage, die absehbaren Kostensteigerungen bei gleichbleibenden Strukturen zu stemmen. Ungeachtet aller zur Diskussion stehenden Ansätze muss Pflege in Deutschland günstiger werden. Dazu bedarf es grundlegender Weichenstellungen mit innovativen Konzepten und Kostenreduzierungen in allen Ausgabenbereichen."



"Bei einer rein rechnerischen Betrachtung ist diese Zahl, ausgehend von einem demografisch indizierten Bedarf von zusätzlichen 280.0000 Pflegeplätzen und einem Investitionsvolumen von 65 Milliarden Euro, nachvollziehbar. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Sachzwänge sind insbesondere die Erstellungskosten für Pflegebetten auf den Prüfstand zu stellen. Ein hoher Einbettzimmeranteil, exklusive Lagen und gehobene Ausstattung sind wünschenswert, aber flächendeckend nicht finanzierbar. Diese Standards sind nur aufrecht zu erhalten, wenn private Zuzahlungen deutlich erhöht, wirklich privat geleistet und nicht zu großen Teilen an die Kommunen weitergereicht werden. Bei der zukünftigen Planung von Pflegeheimen ist dieser Aspekt bei der wirtschaftlichen Standortanalyse von zunehmender Bedeutung. Weiter ist die Entwicklung des vom Gesetzgeber forcierten Ausbaus alternativer Wohn- und Pflegeformen genau zu beobachten."



„Bis 2030 werden ohne grundlegende Weichenstellung rund eine halbe Million Vollzeitstellen in der Pflege unbesetzt bleiben.“ Die Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung (Studie zum Personalstand in der Pflege) bestätigt die Dimension dieses existentiellen Problems, das bisher nicht die gebührende Beachtung findet, eindrucksvoll. Da die Anhebung von Gehältern zur Motivation zum Eintritt in den Pflegeberuf nicht finanzierbar ist, wird das Pflegekonzept der Zukunft mit deutlich weniger professionellen Kräften auskommen müssen. Die im Heimgesetz vorgegebene Fachkraftquote von in der Regel 50 % ist nicht aufrecht zu erhalten und so pauschal auch nicht erforderlich."

 

Nach wie vor ist und bleibt der Pflegemarkt ein Wachstumsmarkt und damit für Banken und Investoren ein interessantes Geschäftsfeld. Aber es ist eindimensional und gefährlich, bei Projektierungen die demografische Entwicklung in den Vordergrund der Entscheidungsfindung zu stellen. Die Bedarfsanalyse mit dem Taschenrechner wird den komplexen Anforderungen schon lange nicht mehr gerecht.

Auch hier stellt sich vor jeder Prüfung die Grundsatzfrage: Welche Projekte und Pflegeeinrichtungen in Verbindung mit welchen Konzepten und Geschäftsmodellen sind zukunftsfähig? Ostermann Pott & Cie. steht Banken und Investoren als kompetenter Ansprechpartner und Berater in diesem kleinen aber durchaus wieder interessanten Zielmarkt mit fundiertem Wissen, detaillierten Marktkenntnissen und klaren Vorstellungen bezüglich der weiteren Entwicklung zur Verfügung.

 

Die Pflege in Zahlen:

http://www.bmg.bund.de/pflege/zahlen-und-fakten-zur-pflegeversicherung.html
(Bundesministerium für Gesundheit - Zahlen und Fakten zur Pflegeversicherung)

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Pflege/Pflege.html
(Statistisches Bundesamt – Pflegestatistik)